Führerscheinreform 2027: Was Fahrschulinhaber jetzt wissen müssen
Kurz gesagt: Die Bundesregierung will die Fahrausbildung günstiger und digitaler machen. Für Fahrschulen soll sich vieles ändern: Die Präsenzpflicht im Theorieunterricht fällt weg, feste Mindestzahlen bei den Sonderfahrten ebenso, die Prüfungsfahrt wird kürzer, und Preise sowie Erfolgsquoten werden öffentlich. Beschlossen ist das noch nicht. Stand 20. Oktober 2026 liegt die Reform im Verkehrsausschuss des Bundestags. Das Ministerium nannte „Anfang 2027“ als Ziel, Fachverlage rechnen eher mit Mitte 2027.
Wo das Verfahren steht
- Mai 2026: Das Bundeskabinett beschließt den Entwurf (Pressemitteilung des BMV 043/2026).
- 10. Juli 2026: Der Bundesrat nimmt im ersten Durchgang Stellung und schlägt Änderungen vor.
- 24. September 2026: Erste Lesung im Bundestag, danach Überweisung an die Ausschüsse.
- 5. Oktober 2026: Öffentliche Anhörung im Verkehrsausschuss.
- Offen: Ausschussberatung, 2. und 3. Lesung, Bundesrat. Ein Termin steht noch nicht fest (Übersicht beim Degener Verlag).
Es geht um zwei Vorhaben: die Fahrschulmodernisierungs-Verordnung (Bundesrats-Drucksache 365/26) und die Änderung des Fahrlehrergesetzes (Drucksache 330/26). Bis zum Beschluss kann sich jedes Detail noch ändern.
Was sich laut Kabinettsentwurf ändern soll
| Bereich | Heute | Geplant |
|---|---|---|
| Theorieunterricht | Präsenzpflicht in der Fahrschule | Keine Präsenzpflicht, Lernen auch vollständig digital (App) möglich; Schulungsräume nicht mehr vorgeschrieben |
| Fragenkatalog | über 1.100 Fragen | rund ein Drittel weniger |
| Sonderfahrten Klasse B | 12 Pflichtfahrten: 5 Überland, 4 Autobahn, 3 Dunkelheit | keine Mindestanzahl mehr; Fahrten über Land, auf der Autobahn und bei Dunkelheit bleiben Pflicht |
| Praktische Prüfung | längere reine Fahrzeit | reine Fahrzeit auf EU-Minimum von 25 Minuten |
| Fahrpraxis mit Angehörigen | nicht erlaubt (außer BF17 nach der Prüfung) | Erprobung: Üben mit nahestehenden Personen nach bestandener Theorieprüfung |
| Transparenz | keine Pflicht | Preise und Erfolgsquoten aller Fahrschulen online (Mobilithek) |
| Fahrlehrer | Fortbildungsfristen unterschiedlich | Fortbildung digitaler, einheitliche Frist von vier Jahren |
| Dokumentation | umfangreiche Aufzeichnungspflichten | deutlich reduziert |
Quelle: BMV, 20.05.2026. Fahrlehrerverbände kritisieren vor allem die Laienausbildung und die kürzere Prüfung. Daran kann sich im Ausschuss noch etwas ändern.
Was das für Ihre Fahrschule bedeutet
1. Der Theorieraum verliert seine Pflichtfunktion. Wer heute vor allem über volle Theorieabende Schüler bindet, braucht ein neues Argument. Viele Schüler werden fragen: „Kann ich die Theorie nur per App machen?“ Ihre Website sollte darauf eine klare Antwort geben, sobald die Regeln feststehen.
2. Die Preise werden vergleichbar. Mit der geplanten Veröffentlichung von Preisen und Erfolgsquoten kann jeder Interessent Fahrschulen nebeneinanderlegen. Fahrschulen mit ehrlichen, vollständigen Preisen und guten Bestehensquoten profitieren. „Preise auf Anfrage“ wird dann noch schwieriger.
3. Die Gesamtkosten werden individueller. Ohne feste Zahl an Sonderfahrten hängt der Preis stärker vom einzelnen Schüler ab. Ein Führerschein-Konfigurator, der eine realistische Spanne zeigt, wird wichtiger als eine starre Preisliste.
4. Die Anmeldewelle vor dem Stichtag. Bei jeder großen Änderung warten manche Schüler ab („nach der Reform wird’s billiger“), andere wollen noch nach altem Recht fertig werden. Planen Sie Ihre Kapazitäten für beide Gruppen und kommunizieren Sie früh.
Checkliste für Fahrschulinhaber
- Auf der Website eine Seite „Führerscheinreform“ mit Stand-Datum anlegen und bei jeder Änderung aktualisieren.
- Preisaushang und Website-Preise auf Vollständigkeit prüfen (Grundbetrag, Fahrstunde, Sonderfahrten, Vorstellung zur Prüfung). Hilfe: Preisaushang-Generator.
- Theorie-Konzept überlegen: Präsenz als Mehrwert anbieten, digitale Inhalte ergänzen.
- Erfolgsquoten im Blick behalten. Sie werden voraussichtlich öffentlich.
- Verträge und AGB nach Beschluss anpassen (Pakete mit fester Zahl an Sonderfahrten).
- Bewertungen pflegen. Bei vergleichbaren Preisen entscheidet zunehmend der Eindruck im Google-Profil.
Aus der Praxis
In unseren eigenen Fahrschulen in Kiel erleben wir schon jetzt, dass Interessenten nach der Reform fragen, oft mit falschen Erwartungen („ab Januar kostet der Führerschein 1.000 € weniger“). Wir antworten ehrlich: Es ist noch nicht beschlossen, und wer heute anfängt, verliert nichts. Das schafft mehr Vertrauen als Abwarten. Wer auf der Website eine klare, datierte Antwort gibt, spart sich viele Telefonate.
Dieser Artikel gibt den Stand vom 20. Oktober 2026 wieder und wird aktualisiert, sobald Bundestag und Bundesrat entschieden haben. Keine Rechtsberatung.
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